Unum: Ennui Noir

„Black is modest and arrogant at the same time. Black is lazy and easy – but mysterious. But above all black says this: I don’t bother you – don’t bother me.” Yohji Yamamoto –

Meine Wege durch München enden meist im Geschäft Parfums Uniques von der wundervollen Eva Bogner. Wie auch an diesem Wochenende.

Die Wolken hingen schwarz, dick und schwer über der Stadt. Als wir den Laden betraten, erwartet uns George bereits. Er versteht es immer wieder mich aus der Reserve zu locken, mich für Neues zu begeistern, mich zu fordern, meinen Horizont zu erweitern. Wir plauderten ein wenig bis er schließlich auf Flakons zeigte und sagte, dass müsse ich unbedingt riechen.

Die Flakons von Unum waren wie die Stimmung in der Stadt. Schwarz, dick, schwer. Spontan musste ich an Yohji Yamamoto denken. So kubistisch und doch dekonstruktiv. Haptisch neu und unerwartet. Wie etwas, was man in der Natur gefunden hat. Genau so müssen Flakons aussehen. Überraschende kleine Kunstwerke, die wirken als würden sie leben.

Instinktiv griff ich zu Ennui Noir. Der Flakon ist eher unspektakulär (im Vergleich zu „io non ho mani che mi accarezzino il volto“ – „es gibt keine Hände die mein Gesicht streicheln können“, der mit einem Deckel aus amorphen Leder überzogen ist und einfach nur aufregend aussieht).

Ich öffnete die Flasche, ich roch. Sofort schossen mir Bilder wie aus Matrix durch den Kopf, schwer und doch leichtfüßig elegant. Dunkel, morbide und zugleich lebhaft. Verrucht, obszön, anrüchig und zeitgleich so stilvoll. Geruchsfetzen flogen an mir vorbei wie der Datenstrom an Keanu Reeves.

Dieser Duft war neu, vollkommen neu. Noch nie habe ich so einem Duft, so eine Harmonie wahrgenommen und doch war er so vertraut. Mir schoss Tchaikowskys Schwanensee Akt 2 No.10 durch den Kopf. Man weiß was einen erwartet und doch ist man bei jeder Note gefangen und überrascht. Mit fortschreitender Dauer wird es immer aufregender und dramatischer, bis sich die Klänge bzw. Düfte nahezu überschlagen. Lavendel, Heliotrop, Zedernholz, Vanille ringen um die Gunst der Nase und schaffen eine Struktur, die nur sehr selten anzutreffen ist.

Jemand sagt über Unums Ennui Noir, der Duft sei die Farbe Schwarz als Parfüm. Das sehe ich anders. Vielmehr ist es ein Bukett von Kuchen, Blumen und Farben. Man möchte alles anfassen, ansehen sich erfreuen oder einfach nur den Anblick und den Geschmack genießen. Anfangs ist er schwer und unkalkulierbar, um dann seine Schönheit in Licht und Schattenspielen zu entfalten. Als wir den Laden verließen, hatten sich die Wolken gelichtet und ließen ein paar Sonnenstrahlen durchblitzen.

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